Goldman Sachs und die Lobby-Gruppe ISDA

Worst Financial Lobbying
Nominiert wegen aggressiven Lobbyings zur Verteidigung ihrer „finanziellen Massenvernichtungs­waffen“

Als die Finanzkrise 2008 zuschlug, wurde schnell klar, dass Derivate, bis dahin wenig bekannte Finanzinstrumente, eine Schlüsselrolle darin gehabt hatten – ebenso wie in der Lebensmittelkrise 2008 und in der Eurokrise 2010. Daher kamen im Gefolge der Krise Forderungen nach strengeren Regulierungen für diese Instrumente auf. Aber ISDA, die Vereinigung von Derivatehändlern, und ihr namhaftes Mitglied Goldmann Sachs, haben aggressive Lobbyarbeit betrieben, um dies zu verhindern.

Der globale Markt der Derivate wurde bereits 2007 auf 457 Billionen Dollar geschätzt. Dieses lukrative Finanzprodukt spielte eine Schlüsselrolle in der Finanzkrise 2008, wo es weltweite wirtschaftliche Instabilität und Arbeitsplatzverluste verursachte. Derivate waren 2008 Mitverursacher der Lebensmittelkrise, die Mangel und Hunger für 100 Millionen Menschen bedeutete, und der Eurokrise 2010, die die griechische Wirtschaft destabilisierte. Kein Wunder, dass Warren Buffet – der weltweit zweitreichste Mann – sie „finanzielle Massenvernichtungs­waffen“ nannte. 
Der Derivatemarkt ist durch Mangel an Transparenz und schwache Regulierung charakterisiert. Sie werden meist „over-the-counter“ ohne öffentliche Kontrollen gehandelt. Das ließ Regulierungsbehörden wenig Chancen, die entstehende Krise zu erkennen, und wenig Instrumente, sie zu verhindern oder abzuschwächen. 
Die Notwendigkeit strengerer Regulierung schien klar – und dennoch ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass es dazu kommt, nicht zu geringem Teil wegen der vereinigten Lobbyarbeit der Derivateindustrie. Diese wurde angeführt von der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) und ihren Mitgliedern, darunter die Investmentbank Goldman Sachs, die Deutsche Bank und die BNP Paribas Bank, die vom unregulierten Derivatehandel profitieren. Goldman Sachs, die erfolgreichste Investmentbank und ein Hauptakteur der Lobbyarbeit der ISDA, warnte, dass Regulierung sie aus Europa vertreiben würde. 
Im Angesicht einer drohenden Regulierung reagierte ISDA schnell. Sie bezog in der „Working Party on Derivatives“ der Europäischen Kommission Stellung und übernahm die Führung, wobei sie nur solche Vorschläge unterstützte, die Derivate weitestgehend unreguliert lassen wollten. Sie drängte die Kommission, eine 'Expertengruppe' zu Derivaten zu bilden – diese wurde dann von ISDA-Mitgliedern dominiert. Goldman Sachs manövrierte sich in diese Gruppe, genauso wie die Bank es in fast alle Beratergruppen der Kommission zur Finanzmarktregulierung nach der Krise geschafft hat. 
Indem sie faktisch die Beratung der Kommission kontrollierten, gelang es Goldman Sachs und der ISDA, die Arbeit auf eher moderate Formen der Regulierung zu konzentrieren. ISDA startete auch eine Propagandaoffensive, um die europäischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier von Überlegungen für eine effektivere Regulierung abzubringen – unter anderem durch die Organisation von Workshops im europäischen Parlament zur „Schulung“ der Assistentinnen und Assistenten der Abgeordneten. Auch hat die ISDA sich gegen Restriktionen von Lebensmittelspekulationen eingesetzt, mit der Begründung, dass Spekulationen „keine systemischen finanziellen Risiken“ verursachten. 
Die Vorschläge bezüglich Lebensmittelspekulationen sind infolgedessen sogar schwächer als die Reformen, die in den USA eingeführt wurden, und ein Verbot für spekulative Instrumente kann nur unter bestimmten Bedingungen und Umständen erfolgen.