Der Ölriese ExxonMobil ist seit Jahren eines der umstrittensten Ölunternehmen, weil es das Kioto-Protokoll zum Klimaschutz ablehnt und es tatkräftig die Überzeugung der US-Regierung fördert, auf effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verzichten. Trotz steigendem öffentlichen Drucks fördert der Öl-Multi weiterhin „klima-skeptische“ Denkfabriken und Lobbygruppen in den USA und Europa. Letztes Jahr hat ExxonMobil 2,9 Millionen Dollar an 39 solcher Gruppen verteilt. Am meisten Geld bekam das Competitive Entreprise Institute, eine Washingtoner Denkfabrik, die aggressiv gegen die Notwendigkeit von Klimaschutz-Maßnahmen argumentiert.
In Europa hat ExxonMobil hartnäckige Gegner der Klimaschutz-Anstrengungen der EU finanziert, z.B. das International Policy Network, das Centre for a New Europe, Tech Central Station und den International Council for Capital Formation (die drei letztgenannten haben ihren Sitz in Brüssel). Im Jahr 20005 hat ExxonMobil die Programme zum Klimawandel des Centre for a New Europe und denen des International Policy Network mit 50.000 Dollar im ersten und 130.000 Dollar im zweiten Fall finanziert. Mit diesen Ausgaben will ExxonMobil ein Meinungsumfeld schaffen, in dem die Skepsis gegenüber dem Klimawandel von scheinbar seriösen Quellen bestätigt wird. In Wahrheit werden die „Klima-Skeptiker“ von interessierter Seite bezahlt, um die Klimadebatte mit nicht-wissenschaftlichen Argumenten zu „verschmutzen“.
Vor kurzem schrieb die Royal Society, Großbritanniens meist angesehenes Wissenschaftsgremium, dem Ölriesen und forderte, die Finanzierung dieser Gruppen einzustellen, weil diese „die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel falsch dargestellt haben, indem sie die Beweislage gänzlich geleugnet haben“. Diese Forderung fand ihr Echo in einem offenen Brief von zwei US Senatoren an Exxonmobil im Oktober diesen Jahres. Die beiden Senatoren, ein demokratischer und ein republikanischer, riefen das Unternehmen dazu auf, verantwortlich zu handeln und die finanzielle Unterstützung für Gruppen zu beenden, „deren öffentliches Eintreten zum kleinen, aber unglücklicherweise effektiven Mythos der Leugnung des Klimawandels beigetragen hat.“
Wählt ExxonMobil, wenn ihr der Meinung seid, das Wissenschaft nicht käuflich sein sollte.
Weitere Informationen:Letter to Nick Thomas, Director Corporate Affairs, Esso UK Ltd., The Royal Society, 4. September 2006
Royal Society tells Exxon: stop funding climate change denial, The Guardian, 20. September 2006
Pundits who contest climate change should tell us who is paying them, George Monbiot, The Guardian, 26 September 2006
Covert industry funding fuels the expansion of radical rightwing EU think tanks, Corporate Europe Observatory, Juli 2005
ExxonMobil’s Worldwide Giving Report 2005, Public Information and Policy, ExxonMobil Corporation, 2006